PRISM Break – zum Handeln #2

PRISMVor einigen Wochen habe ich einen kleinen, privaten Protestmarsch gegen Gott&die Welt begonnen und möchte euch heute ein kurzes Feedback geben.

Wie ist das, wenn man von „den gewohnten“ Diensten wie Dropbox, Google Mail/Kalender/Kontakte/Chrome oder Microsoft Office auf etwas „freies“ umsteigt?

Grundsätzlich kann ich schonmal ein Fazit ziehen: Gut, aber auf ein wenig Luxus muss man dann doch verzichten.

Dropbox –> ownCloud

Die ownCloud-Installation, wenn man sich etwas eingelesen und über die ersten Stolpersteine hinweg ist, läuft ganz akzeptabel.

Etwas ärgerlich ist die Installation, bzw. die „Systemvoraussetzungen„. Wenn ownCloud über den WebInstaller installiert, muss man darauf achten das wirklich jede Datei vom PHP-Apache-User geowned wird. Möchte man Änderungen an Dateien vornehmen, muss ich umständlich über WebFTP den Besitzer ändern – meine Änderungen durchführen – und wieder den Besitzer ändern; sonst spuckt ownCloud eine Fehlermeldung aus.

Installiert man ownCloud „normal“ über die .tar.gz ist man erstmal längere Zeit mit dem Entpacken und Upload beschäftigt; der WebInstaller holt und entpackt die Daten da deutlich schneller; etwa in 30 Sekunden.

Was mir deutlich auf die Nerven geht: Der ownCloud-Client. Der verursacht nämlich grundsätzlich 100% CPU-Last auf einem meiner CPU-Kerne (also quasi dauerhaft 25% bei 4 Kernen), weil er prüft, ob sich etwas lokal geändert hat. Seit version 1.4.0 soll dieses Problem behoben sein, den er prüfe jetzt nur noch, wenn der Server eine Änderung mitteilt – naja, etwas gebessert hat es sich…

ownCloud bei 25% CPU, Firefox bei 500 MB RAM

ownCloud bei 25% CPU, Firefox bei 500 MB RAM

Davon sehe ich hier aber wirklich wenig; kommt vermutlich daher, dass ich sehr viele Dateien in meinem ownCloud-Ordner habe, und eine komplette Prüfung einfach sehr lange dauert. Mit 1.4.0. hat es sich etwas gebessert, wir sind aber noch nicht auf einem Dropbox-Niveau.

Ich nutze hier im übrigen aktiv den SSL-Proxy von all-inkl.com (Link1, Link2), und das funktioniert wirklich sehr gut. Sowohl den ownCloud-Client, als auch Thunderbird oder iPhone lassen sich damit per SSL anbinden.

GoogleMail –> RoundCube

RoundCube WebMailerBisher habe ich meine eMail-Accounts über ein Google Apps-Konto gehostet.
Google Apps bietet (genauer: bot – gibt’s nicht mehr für Privatpersonen) die Möglichkeit, die eigenen Domänen auf die Google Mailserver umzubiegen und so das GoogleMail-Webfrontend mit der eigenen Domäne zu nutzen.

Ich habe das GMail-Frontend seit Jahren als NonPlusUltra angesehen – kein Webmailer, schon garkein „freier“ kam hier auf Augenhöhe.

Nachdem ich meine MX-Einträge der Domänen auf all-inkl.com umgebogen habe, habe ich direkt eine RoundCube-Installation angestoßen und bin bisher damit sehr zufrieden. Es gibt ein paar Addons, die einem das Leben erleichtern (MarkAsJunk2, PersistentLogin, ContextMenu, MessageHighlight, CardDAV, CalendarPlus) – alles in allem nutzbar.

Augenmerk sollte hier auf CardDAV und CalendarPlus liegen: CardDAV ist kostenlos und ermöglicht die Anbindung der ownCloud-Kontakte nach RoundCube Addressbook. CalendarPlus ist leider kostenpflichtig und ermöglicht die CalDAV-Anbindung des ownCloud-Kalenders in einen neuen Kalender innerhalb der RoundCube-Oberfläche.

Vorteil hier: Ich kann meine Kontakte und Kalender am iPhone einbinden (nativ); Änderungen werden zu ownCloud übertragen und in Roundcube angezeigt – und natürlich in die andere Richtung.

 Microsoft Office –> Apache OpenOffice 4.0

Die aktuelle Version inkl. der neuen Sidebar.

Die aktuelle Version inkl. der neuen Sidebar.

Dieser Umstieg fällt mir nicht so schwer, wie anfangs gedacht. Zwar muss man sich etwas durchwühlen, um Funktion X aus MS Office in OpenOffice zu finden – aber alles in allem ist das kein größerer Umstieg als von einer alten MS Office-Version auf eine aktuelle.

Was mich grundsätzlich nur etwas ärgert ist, dass ich meine bestehenden docx und xlsx-Dokumente zwar öffnen und bearbeiten, aber nicht wieder in diesem Format abspeichern kann.

Grundsätzlich funktioniert OO aber wirklich gut; es läuft stabil und erscheint mir „schlanker“ und mehr auf das wesentliche konzentriert.

Google Chrome –> Mozilla Firefox

Das alte Leid neu aufgelegt… vor einigen Monaten bin ich von Firefox zu Google Chrome gewechselt, weil Chrome einfach schneller ist. Zudem hatte ich stets das Gefühl, dass man sich bei Chrome „auf das Surfen konzentriert“, und alles andere – wie Druckfunktionen, Einstellungen, Apps, etc. – war einfach und minimalistisch verpackt. Zudem hat Google Chrome ohne sonderlich viel zutun alle Tabs, Addons, Einstellungen über alle meine Geräte hinweg synchronisiert.

Bei Firefox gibt es zwar den Firefox Sync; aber der scheint nicht immer so gut zu funktionieren: Meine Lesezeichenliste zu Hause ist anders aufgebaut als in der Firma. Der Haken zum Sync ist bei beiden drin – drum gekümmert habe ich mich nocht nicht.

Gespickt mit Addons wie Adblock Edge (was ein Fork von Adblock Plus ist, und keine zusätzlichen Daten sammelt oder Werbung unterschiebt) und HTTPS Everywhere (was einen stets auf die jeweilige HTTPS-Version der aufgerufenen Website umleitet) bin ich wieder „fast zufrieden“.

Manko, so finde ich, ist bei Firefox noch die Tatsache, dass Fenster nicht in einzelne Prozesse ausgegliedert werden. Schmiert ein Tab auf, schmiert der komplette Browser ab. Ebenso finde ich den Arbeitsspeicherverbrauch von Firefox recht hoch (bei 7 geöffneten Tabs sind das aktuell 500 MB) – zwar stört es mich nicht (mit 12 GB Ram :-)), aber es könnte trotzdem weniger sein.

Fazit

Alles in allem bin ich zufrieden. Zwar muss ich auf einige Dinge verzichten (Dropbox ist mittlerweile in vielen Apps und Geräten integriert – ownCloud leider nicht; auch vermisse ich die Möglichkeit, Regeln in meinem Webmailer zu hinterlegen – das muss ich manuell über den all-inkl Webmailer durchführen), aber alles in allem lief der Umstieg schmerzlos.

Mittlerweile gibt es weitere Berichte über die NSA, die fleißig überall und jederzeit Daten abgreift. Ich wiederhole, mir geht es nicht darum „etwas zu verheimlichen“, mir geht es allgemein darum, meine Daten besser zu schützen.

Und wenn ich durch den Wechsel von Software-Produkten schonmal verhindere, dass meine Daten irgendwo in den USA landen – dann ist’s mir recht!

Was mir aktuell nur noch fehlt ist ein Passwort-Manager zum selbst-hosten in der Art von Roboform, LastPass, iPassword. Hier nutze ich notgedrungen LastPass, was natürlich alle Daten verschlüsselt speichert – die NSA hat das bisher aber auch nicht wirklich gejuckt.

Bastian

Seit 2006 bin ich täglich im IT-Umfeld unterwegs und interessiere mich für technische Lösungen im Hard- und Softwarebereich, die einem den Alltag erleichtern. Zu meinen Hobbies zählt ein 3D-Drucker, das auch (handwerkliche) Tüfteln, Scripten sowie der unqualifizierte Umgang mit dem Lötkolben.

6 Antworten

  1. Franz sagt:

    Hi,

    darf ich fragen, warum du dich für OpenOffice entschieden hast? LibreOffice wird in meinen Augen deutlich öfters über die Community gepflegt.

    Grüße

    • Bastian sagt:

      Hallo,
      das hatte keinen speziellen Grund. Ich hatte irgendwann gelesen, dass OpenOffice nun von der Apache-Foundation weitergeführt wird, ohne die anderen Forks gegenüberzustellen. Aber auf dein Anraten werde ich’s mir mal ansehen :)

    • Björn sagt:

      Ein Bericht in der letzten c’t hat dann aber doch gezeigt as LibreOffice zwar öfter ein Update bekommt, viele der neuen Funktionen dann aber noch so buggy sind das man mit Ihnen nicht wirklich arbeiten kann.
      In dem Sinne liegen beide Projekte wohl immer noch gleichauf.

  2. Flo sagt:

    Hallo,
    und wie sieht es nun nach gut 5 Monaten aus? Verwendest du immer noch das selbe Setup oder hast du etwas angepasst oder verändert?
    Habe selbst Owncloud vor ca 1 Jahr mal intensiver genutzt bin dann aber doch wieder auf Dropbox umgestiegen, weil es manchmal ein paar Probleme beim Syncen gab.
    Bin auch am überlegen, ob ich auf das all inkl Webmail umsteige von Gmail, weil das jetzt ja doch einiges kann und nicht mehr so altbacken wirkt und man anscheinend auch mehrere Email Accounts von einem Account aus verwalten kann…
    Würde mich interessieren, wie du das so hältst :)

    • Bastian sagt:

      Hallo,
      gute Frage. Schwierig, würde ich sagen.
      Ich war natürlich bestrebt, auf freie Software und Alternativen umzusteigen, um von den „Großen“ wegzukommen.
      Das Ergebnis sieht wie folgt aus:
      – Ich nutze Firefox inkl. dem eingebauten, verschlüsselten Sync
      – ownCloud ist zum Xten mal rausgeflogen. Momentan nutze ich SeaFile auf einem Raspberry@Home
      – Ich bin bei OpenOffice geblieben – habe auch meine Vorlagen umgestellt. Komme gut mit zurecht :)
      – RoundCube ist mein aktueller Mailreader im Web, bleibt es wohl auch…

      Alles in allem recht positiv, auch wenn ich mir manche Funktionen von Dropbox & Co wirklich zurückwünsche :/

  1. 16. September 2013

    […] einem der vorherigen Artikel habe ich davon berichtet, dass meine ownCloud-Installation zwar etwas zickig in der Administration […]

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